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Die hohe Schule des feinen Benehmens – Die Lehren des Karma
Szenen-Informationen
Charaktere Karma » Gast
Datum 24 Oktober 724
Ort Magierquartiere - Lord Karmas Räume
Tageszeit Abend
#1
Die hohe Schule des feinen Benehmens – Die Lehren des Karma

24. Tag des 10. Monats 724 n.SK. | Abend
Magierquartiere - Lord Karmas Räume

Es war so weit, der Beginn einer Mission von höchster Wichtigkeit stand kurz bevor und die Gilde war an niemand Geringeren als ihn damit herangetreten. Natürlich war es kein Wunder, immerhin gab es in der gesamten Magiergemeinschaft weit und breit keinen fähigeren Mann, als ihn. Lange genug hatten sie seine Talente verkannt und wohl fast schon vergessen, aber nun war man mit einem bedeutenden Auftrag an ihn herangetreten. Es war schon recht und billig, dass man seine Fähigkeiten nicht mit Kleinigkeiten verschwenden wollte, das sah er schon ein, aber ab und an war es ihm ein wenig langweilig, so geschont zu werden. Das änderte sich aber mit dem heutigen Tag. Er legte die goldverzierte Haarbürste aus edelstem Holz auf seinen Frisiertisch und betrachtete seine Haarpracht im Spiegel. Nein, was war er doch für ein schmucker Mann. Sein Stil, sein Charm, seine natürliche Eleganz! Nein, es war wahrlich kein Wunder, dass man an ihn für diese Aufgabe herangetreten war. Ein junger Lan benötigte dringend seine Unterstützung. Die Gilde brauchte Karma, andernfalls würde es am Ende noch ein politisches Debakel geben! Er sollte dem Jungen die feine Etikette der gehobenen Gesellschaft beibringen. Wer konnte da geeigneter sein? Der Alchemist drehte sich leicht vor dem Spiegel, um zu prüfen, ob auch alles an seiner Garderobe perfekt saß. Immerhin konnte er dem Jungen nicht ungepflegt gegenübertreten. Er griff nach einem kleinen Zerstäuber und sprühte einen feinen Nebel wohlriechenden Parfums auf sich. Ja, das hatte noch gefehlt, diese erstklassige und unverkennbare Note. Seine eigene Kreation selbstredend. Wie schade, dass es noch immer so mühselig war an die Zutaten zu kommen und trotz Magie es ein gewisser Aufwand war, den edlen Duft herzustellen. Was tat man aber nicht alles für die Schönheit?

Die perfekt manikürten Finger strichen seine purpurnen Roben zurecht. Eine teure Maßanfertigung aus feinst gewebter Wolle. Leichter und filigraner verarbeitet, als die Standartroben. Er verstand nicht, wie man auch nur wenige Augenblicke in diesen allgemeinen Leinensäcken verbringen konnte. Das war schon während seiner Novizenzeit – die noch gar nicht so lang her war, weshalb er sich tadellos daran erinnerte – eine Qual und Beleidigung für seine zarte Haut gewesen. Herrje, da fing es ihm fast bei dem Gedanken an zu jucken und zu scheuern. Nein, das war nichts für ihn. Selbstverständlich besaß er auch noch andere Roben, welche aus feiner Seide, aber die waren wirklich etwas für besondere Anlässe. Es wäre eine Schande, wenn sie ruiniert werden würden und da er ja wusste, dass Novizen immer etwas wild und ungestüm waren – immerhin stand er selbst in der Blüte seiner Jahre und wusste das nur zu gut – trug er die etwas robustere Version seiner purpurnen Pracht. Hach, wie wundervoll sein Goldgelocktes Haar mit den kräftigen Farben harmonierte! Für die Färbung waren natürlich nur teure Materialien und aufwändige Methoden in Frage gekommen, ein kleines Zwicken für den Geldbeutel, aber so leuchteten die Farben noch kräftiger und hielten auch länger in ihrer Pracht an. Doch genug des Herrichtens, noch mehr Schönheit konnte die Welt nicht vertragen.

Lord Karma tänzelte aus seinem Schlafgemach, schloss die Tür sorgfältig hinter sich und begab sich in den stilvoll eingerichteten Wohnbereich. Er hatte seine Dienerin bereits angewiesen ein paar kleine Köstlichkeiten, einen erlesenen Sumi mit ein paar anderen Blüten veredelt, und den Kaffeetisch vorzubereiten. Er wollte seinem kleinen Gast schließlich und endlich etwas bieten. Gekonnt drapierte sich der Magier schließlich in einem der beiden Sessel, rückte sich richtig in Pose und wartete geduldig darauf, dass sein neuer Schutzbefohlener eintreffen würde. Hoffentlich verspätete er sich nicht, Karma schätzte es nicht sonderlich und es zeugte nicht von guten Manieren. Die sollte er ihm allerdings beibringen, welch eine Krux, nun es würde sich zeigen, was dem jungen Lan alles beigebracht werden musste.
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#2
Noch immer leicht ungläubig strich Mun-Kar über das unebene Stoppelfeld, welches einmal eine wilde blonde Haarpracht gewesen war. Am morgen hatte man ihn im Quartier der Heiler den Kopf geschoren, weil er – zum wiederholten male – vergessen hatte, sich die Haare mit der übel riechenden Ungezieferlotion zu waschen. Diese besaß die Farbe und Konsistenz von verquirltem Gorindung dem man ein paar grob gehackte Kräuter beigemischt hatte. Bei diesen Aussichten behielt er doch lieber die Läuse, dachte Mun-Kar. Die kleinen Biester waren zu Hause keine Seltenheit gewesen und bisher war er schon immer damit klar gekommen. Hier sah man das leider anders, wie er heute am eigenen Leib erfahren musste. Das ganze Konzept von täglichem waschen, kämen und Kleider wechseln kam dem Jungen reichlich seltsam vor. Zu viel waschen machte die Kleider kaputt und die Haut wurde weich. Hier zog man sich sogar aus, bevor man ins Wasser stieg! Das kam für den Lan blanker Verschwendung gleich. Wenn man schon badete, dann tat man dies natürlich mit Kleidung. So wurde beides gleichzeitig sauber und man sparte kostbares Wasser. Zudem sollte man ohnehin nur 2 mal im Monat baden, denn sonst verlor die Haut ihre Schutzschicht. Man bekam schneller Sonnenbrand und die Stechmücken wurden nicht mehr so gut ferngehalten. Von dem ganzen Baden waren seine Füße schon ganz weich! Er würde sich im Sommer bestimmt Blasen laufen, den richtige Schuhe trug er nur im Winter. Für das restliche Jahr reichte ihm das traditionelle, leichte Schuhwerk seines Stammes. Manchmal ging er aber auch einfach nur barfuß. Mit der dicken lederartigen Hornhaut seiner Fußsohlen spürte er spitze Steine kaum noch. Mun-Kar kratzte sich mit glückseligem Gesichtsausdruck an der Schulter. Der ungewohnte Stoff kratze fürchterlich im Vergleich zu seinem altem Leder und den abgewetzten Fellen seiner üblichen Kluft. Auch diese hatte man ihm bereits abgenommen. Langsam verfluchte er den Tag an dem er sich dazu entschlossen hatte dem unbekannten Magier auf ein Abenteuer zu folgen. Pah! Das war kein Abenteuer. Wissen, Macht und unglaubliche Vorteile im Kampf hatte man ihm versprochen. Bisher war nichts davon in Erfüllung gegangen. Stattdessen besaß er nun einen geschorenen Kopf. Kein guter Anfang.

Kar machte sich auf das Schlimmste gefasst. In den letzten Tagen war er belächelt, verspottet und bevormundet worden. Zudem hatte man ihn oft wegen den kleinsten Kleinigkeiten gescholten. Nicht, das er davon sonderlich viel verstanden hätte. Es gab nicht viele Lan in der Gilde, daher sprach man fast ausschließlich kyralisch mit ihm. Ohne die Unterrichtsstunden von dem Magier der ihn hierher gebracht hatte und Lord Gan-Dor wäre er wohl heillos verloren. Der Lan klopfte kräftig an einen Holzbalken. „Karma“, rief er für alle laut vernehmlich. „Du sollst mir was zeigen“, kam es in gebrochenem Kyralisch. Der Unterschied zwischen Duzen und den förmlicheren Alternativen überstieg seinen Horizont bei weitem. Dafür hatte Kar an das Anklopfen gedacht, was ihn mit einem gewissen Stolz erfüllte.
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#3
Ach, ach, was rumpelte und pumpetle es da an seiner Tür? Man hätte ja meinen müssen, der Bursche würde ihm diese einhauen wollen. Na hoffentlich benutzte er immerhin die Hand und nicht seinen Kopf. Das konnte beträchtliche Folgen für die Schönheit haben. Mit einem leichten Magiewink und einem Augenaufschlag, der alle weiblichen Herzen dahinschmelzen lassen konnte, ließ er die Tür aufschwingen. An dem Ton des Jüngelchens ärgerte sich der Magier erst einmal nicht, immerhin hatte man seine fähige Person dafür doch angeworben. "Nur herein junger Freund, ich habe dich schon erwartet." flötete Karma heiter und begutachtete seinen Schüler, während dieser den Raum betrat. Ach was für ein Prachtexemplar man ihm da geschickt hatte! Daraus konnte man definitiv etwas machen, ohne Frage, mit Karmas Expertise und gekonnten Handgriffen würde das ein Schmuckstück werden, was für eine Freude. "Nur zu, komm herüber und setz dich." Freudig winkte Karma den Jungen herbei und deutete auf den Sessel, der seinem gegenüber am Tisch stand. Neben den Manieren würde er auch am Aussehen des Jungen arbeiten müssen, ganz dringend, aber wie gesagt, der Bursche war wie eine unberührte Leinwand, ein roher Lehmklumpen, der nur darauf wartete, von ihm zu etwas Großem geformt zu werden. "Fangen wir also gleich an, schließlich ist unsere Zeit kostbar."

Karma beobachtete, wie Mun-Kar zum Tisch hinüberschlurfte und dabei ständig an sich herumzupfte, sehr glücklich schien der kleine Mann auch nicht zu sein. "Halt dich grade, Junge! Du bist doch ein starker, stolzer Lan, oder? Zeig das auch. Schlurf nicht wie ein Gorin, stolziere wie ein Lorr, geschmeidig, anmutig, voll Kraft und Eleganz!" protestierte der purpurgewandete Mann. Er erhob sich. "Hier, deine erste Lektion, sieh mir gut zu!" forderte er den Jungen auf und stolzierte wie ein eitler Vogel durch den Raum. "So. Manieren bedeuten auch, dass man die Leute mit der eigenen Grazie beehrt. Das Kin hoch, den Rücken grade." Mit einer Bewegung forderte er den Jungen auf, es ihm gleich zu tun. Zumindest einmal. "Und genauso setzt man sich auch hin." meinte Karma bestimmt und setzte sich. "Ein gerader Rücken und eine elegante Haltung, majestätisch, aber nicht verspannt, natürliche Schönheit!" Er machte eine Handbewegung, indem er Arm und Hand von seinem Scheitel bis zur Sitzfläche des Sessels an sich vorbeiführte und auf seine Person deutete. "Jetzt, setzt dich. Wir werden zunächst an deinem benehmen arbeiten, ehe wir uns den Äußerlichkeiten zuwenden." sprach Karma bestimmt und hieß den Jungen nun endlich Platz zu nehmen. Sprache und ein höflicher Umgang würden erst einmal wohl das Wichtigste sein. Danach konnte man daran feilen, wie sich der Bursche nach außen hin gab und wie man in der Öffentlichkeit auftrat. Ja, so würde das schon gehen.
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#4
Kar betrat den Raum. Die übelkeitserregend pompöse Dekoration ließ ihn dabei immer wieder innehalten. Wollte er das wirklich tun? Niemand konnte ihn dazu zwingen. Im schlimmsten Fall konnten sie ihm die Magie nehmen und ihn zurück nach Lan schicken. Um ihn herum war alles entweder in weiß, Gold, dunklem Gold oder verschiedenen Lilatönen gehalten. Nur das teuer aussehende Holz schlug aus der Art. Der Junge überlegte einen Moment, ob ein Leben als Verbannter im kaum bewohnten Marschland seiner Heimat nicht doch die besser Wahl für ihn sei. Die ganzen auf Hochglanz polierten Metallflächen erinnerten ihn an ruhige Wasseroberflächen. Er wurde vorsichtig. In ihnen lauerte der Tod. Kinder ertranken, weil sie von gefräßigen Monstern unter die Oberfläche gezogen wurden, wenn sie zu nahe ans Ufer gingen. Die ersten Tage hatte der Lan dies auch von Spiegeln gedacht. Es war unheimlich wie ihn seine eigenen Augen anstarrten. Einmal hatte er sich hinter dem Türspalt versteckt um zu sehen, ob ihm sein Spiegelbild hinterher sah. Eisblaue Augen hatten ihn begrüßt. Seitdem war er keinem Spiegel mehr zu nahe gekommen. Er wollte nicht hineingezogen werden von dem anderen Kar.
Hier roch es komisch. Irgendwie blumig und leicht süßlich. Es drehte ihm fast den Magen um. Derart missmutig gelaunt, stapfte der Lan mit schweren Schritten zu dem kleinem Tisch hinüber. Allerdings verstand er nicht so ganz, was der Mann mit seinen reichlich übertriebenen Gesten von ihm wollte. Ein Schwan? Ein Gorin? Mun-Kar beobachtete ihn aufmerksam und mit großem Interesse. Ein Pferd vielleicht? Nein, die liefen nicht auf 2 Beinen. Jetzt hatte er es! Er erzählte ihm etwas über Bären! Sein Vater hatte einmal einen toten mit ins Lager gebracht. Das Fleisch war saftig und wunderbar würzig gewesen. Eifrig wanderte sein Blick zu den kleinen Portionen auf dem Tisch vor ihm. War das etwa Bär? Damit würde das seltsame Verhalten des Magiers Sinn ergeben. Er versuchte ihm zu sagen was es zum essen gab. Der Junge nickte und streckte den Hals, um alles auf dem Tisch besser sehen zu können. Erst dann setzte er sich auf den verstörend weich gepolsterten Sessel, der ihn fast verschlang.

Äußerlichkeiten, das Wort kannte er vom hören. Im Quartier der Heiler hatte man es verwendet, bevor man ihm die Haare genommen hatte. Seine Augen verzogen sich zu schmalen Schlitzen. „Wenn du auch nur einen Finger an mich legst, schneide ich ihn dir ab und sorge dafür, dass du ihn frisst,“ murmelte Mun-Kar auf Lan. Das waren die ersten Worte die er gesprochen hatte, seitdem er sich in den Karmas Räumen befand. Wahrscheinlich versuchte der Kerl ihn mit dem Essen zu besänftigen, bevor er etwas ganz anderes tat. Der Blondschopf wich ein Stück vom Tisch zurück. Er hatte von Männern wie ihm gehört. Zu hause konnte man dafür vom Stamm verbannt werden, wenn man erwischt wurde. Ob sein neuer Stammesältester davon wusste? War das hier erlaubt? Das musste er später Gan-Dor fragen. Kar würde lieber in die Verbannung gehen als sich von DIESEM Kerl betatschen zu lassen. Aber zu erst würde er essen. Man ließ keine Nahrung verkommen, weshalb der Junge nun tüchtig zugriff. Gabel und Messer blieben dabei vollkommen unbeachtet. Krümmel benetzten die braunen Roben, den Sessel und den Boden. Der Lan kam dem Tisch nur näher, um sich einen neuen Happen zu holen bevor er sich damit in den hintersten Winkel des Sessels drückte. Am liebsten wäre er gestanden, aber er wollte Karma nicht unnötig verärgern. Der Mann war ein gefährlicher Irrer. Kar wollte nicht herausfinden, was er sonst noch tat.
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#5
Also nein wirklich, ein wenig mehr hätte man ihm doch über den Jungen erzählen können, dann hätte er immerhin gewusst, dass er bei diesem offensichtlich schlichten Gemüt etwas grundlegender anfangen musste. Natürlich hätte man ihn wohl nicht auf den Plan gerufen, wäre es ein Leichtes gewesen und hätte man nicht an den herausragenden Erfolg seiner Person geglaubt. Wenn jemand dem Kind helfen konnte, dann war es doch wohl Karma. Ja, ja ganz eindeutig. Hach das Jüngelchen war schon niedlich anzusehen, ja, er würde aus ihm ein Prachtexemplar von einem Vorzeigelan machen. Hm, dafür musste er sich jedoch die richtige Strategie zurechtlegen. Er verfügte offenbar über keinerlei Manieren und nur schlechte Verständigungsmöglichkeiten. Die gewöhnliche Sprache würde der Junge von einem anderen der Lan lernen müssen. Karma würde ihn aber dann die gehobene Etikette beibringen. Poesie, die feine Konversation, der Tanz mit Worten. Hach, das würde unerreicht werden. Nun, dann brauchte der Junge dringend Tischmanieren. Mit den Händen essen wie die Wilden, so etwas Lächerliches. Bevor der Bursche sich schließlich einen weiteren Happen nehmen konnte, ließ Karma das Arrangement mittels Magie von dem Jungen wegrücken. "Nein, nein. Genug jetzt. Du bist kein Tier." Karma schüttelte mahnend den Zeigefinger, wie beim Schelten eines kleinen Kindes. "Da ist Besteck. benutze es. Und leg dir das Tuch um, du kleckerst alles voll."

Etwas umständlich suchte der Alchemist dem Kind zu bedeuten was er zu tun hatte. Zuerst das Tuch, das er sich mit einer Ecke in den Kragen steckte. "So, oder auf deine Beine." er nahm es wieder weg und legte es wie geheißen auf seinen Schoß, sodass nichts seine feinen Roben ruinieren konnte. Er bedeutete es dem Jungen ihm nachzumachen. Hoffentlich war dieses Jüngelchen wenigstens in der Lage, jemanden nachzuahmen. An den Feinheiten würde er später mit dem Burschen arbeiten, erst einmal ging es wohl darum, ihm überhaupt die Grundlagen von gesellschaftlichem Miteinander und Umgang beizubringen. Ob das bei den Lan so üblich war? War das nur bei den grob behauenen Wanderern der Gefilde Lan's? Oder verhielten sich die wenigen, die in der Hauptstadt lebten ebenfalls so? Herrje hoffentlich waren nicht alle so unzivilisiert. Er versuchte sich daran zu erinnern, wie es während seiner Ausbildung gewesen war – die natürlich noch nicht so lang zurücklag, war er ja noch ein junger Mann – wie sich Mitschüler mit Herkunft aus Lan verhalten hatten. Etwas grobmaschiger schienen sie ihm alle gestrickt, aber solch ein Paradebeispiel für ein ungehobeltes Bäumchen im Wachstum, daran konnte er sich beim besten Willen nicht erinnern. Vielleicht war ja wirklich einfach nur die Sprache das eigentliche Hindernis. Niemand konnte so kulturlos sein.

"Sehr schön, und jetzt das Besteck. Die Gabel links, das Messer rechts. Hier so." Das Besteck in den Händen, hielt er es leicht in die Höhe, damit der Junge sehen konnte. "Ja? Und dann benutzt man das zum Essen. So…" Mit formvollendeter Grazie zerteilte er das Pastetchen auf seinem Teller, spießte es auf seine Gabel und schob sich das mundgerechte Stückchen in den Mund. Es war nur klein, so war es schnell herunter und er konnte weiter erklären und sprechen. Was aber nicht nötig war, der junge Lan musste erst einmal DAS hinbekommen.
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